Arnauld: Klausurenkurs im Völkerrecht

Andreas Arnauld
Klausurenkurs im Völkerrecht

arnauld-klausurenkurs-im-volkerrecht.jpg Pünktlich mit dem neuen Lehrbuch von Arnauld ist auch eine zweite Auflage des KLausuernkurses – dieses Mal im C.F. Müller Verlag erschienen.
Diese 2. Auflage des Fallbuchs umfasst einen Fall mehr (15) als das Erstwerk, wobei zwei neue Fälle hinzugekommen sind. Diese neuen Fälle beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit dem Welthandelsrecht und vermutlich aus aktuellem Anlass (Lybien/Syrien/etc.) mit dem humanitären Völkerrecht. Dies ist sehr positiv, da auch in Klausuren gerne aktuelle Fragen behandelt werden.
Der erste Eindruck, den das Buch macht, ist leider eher mäßig, da sich direkt im Inhaltsverzeichnis bereits ein Fehler befindet. So wird Fall 10 „Betanken verboten“ als Fall mit Schwerpunkt EMRK (genau wie Fall 11) beschrieben, obwohl es sich um Seerecht handelt – so etwas kann passieren, muss aber nicht!
Das Werk umfasst sechs Fälle zum allgemeinen Völkerrecht und weitere 9 Fälle zum besonderen. Dabei liegen die Schwerpunkte auf Rechtsquellenlehre, Völkerrechtssubjekten, Staatenverantwortlichkeit, Verhältnis Völkerreicht/nationales Recht, Diplomatenrecht, Fremdenrecht, EMRK, Seerecht, Welthandelsrecht, Friedenssicherungsrecht, humanitärem Völkerrecht und Völkerstrafrecht. Die großen klausurenrelevanten Bereiche sind damit grob abgedeckt. Allerding s können jeweils nicht alle relevanten Fragen thematisiert werden. Das Werk eignet sich entsprechend nicht, um sich allein damit auf Klausuren vorzubereiten.
Leider gibt es außer einem Schema zum völkerrechtlichen Delikt keine weiteren generellen Prüfungsschemata. Dies erschwert das Lernen des Vorgehens in völkerrechtlichen Klausuren. Zwar gibt es eine Einleitung, in der auch die völkerrechtliche Falllösung thematisiert, jedoch reicht dies nicht an andere Lehrwerke heran, die dem Studierenden das Vorgehen einfacher machen.
Positiv ist zu bemerken, dass jedem Fall eine Lösungsskizze vorangestellt ist und Hinweise auf Vertiefungsmöglichkeiten den Fall abrunden. Schön ist ebenfalls, dass an einigen Stellen Hinweiskästen eingebaut sind, die beispielsweise auf andere Argumentationsmöglichkeiten aufmerksam machen.
Was den Schwierigkeitsgrad betrifft, so bewegen sich die Klausuren eher im Rahmen des „erwartbaren“ absoluten Pflichtstoffs völkerrechtlicher Klausuren, was für einen Einstieg in die Materie angenehm ist. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass hierdurch Fragen, die ein Nachdenken oder Arbeiten mir unbekannten Normen nicht trainiert werden.
Insgesamt ist das Buch gelungen und für einen Einstieg in die Materie empfehlenswert, allerdings aufgrund der Kritikpunkte auch nicht „das eine Buch“ dass man für die Fallerarbeitung braucht. Ergänzend, auch wegen des aktuellen Sachverhalts zum „arabischen Herbst“, ist es aber lohnenswert.

[rating:3.5]