Bieber/Epiney/Haag: Die Europäische Union

Bieber, Epiney, Haag
Die Europäische Union: Europarecht und Politik

die-europaische-union.gif
Die Europäische Union von Bieber/Epiney/Haag gehört zu der Reihe von NomosLehrbuch. Entsprechend handelt es sich um ein sehr umfangreiches Werk zu diesem Themengebiet. Mit einem Umfang von knapp 700 Seiten gehört es unter den Lehrbüchern zum Recht der Europäischen Union zu den besonders umfangreichen auf dem deutschen Markt. Dies bedeutet, dass auch bei der Bearbeitung des Themengebietes kaum ein Bereich unabgedeckt bleibt.
Das Buch gliedert sich in vier Teile (Grundlagen, Grundfreiheiten und Politikbereiche, Außenbeziehungen, Perspektiven). Der klare Schwerpunkt liegt dabei auf dem Bereich „Grundlagen“ dem knapp 400 Seiten der Bearbeitung zufallen. „Grundlagen“ ist dabei nicht bloß als die geschichtliche Entwicklung und die Erklärung der Verträge zu verstehen sondern an sich schon als das, was die meisten europarechtlichen Lehrbücher insgesamt bearbeiten. Sowohl der Großteil der Inhalte der Vorlesungen Europarecht I als auch Europarecht II sind darin enthalten. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Rechtsangleichung (Art. 114ff. AEUV) und den speziellen Politikbereichen wie zum Beispiel der justiziellen Zusammenarbeit in Zivilsachen, Strafsachen, dem Steuerrecht oder der Visa-, Asyl- und Einwanderungspolitik. An dieser Stelle können sich also selbst die Schwerpunktstudierenden, noch über die Pflichtinhalte des Schwerpunktes hinaus, mit den Politiken der Union befassen. Da die meisten Studierenden jedoch nur das machen, was sie unbedingt machen müssen, sind dieser und die folgenden Teile des Buches nur bedingt für Studierende geeignet, die nicht das Ansinnen haben, etwas über den ihnen vorgesetzten Tellerrand zu schauen.
Die Struktur des Buches, sowie sein Aufbau sind klar und nachvollziehbar. Die Schrift hingegen ist in vielen Teilen leider sehr klein geraten, was beim Lesen auf Dauer unangenehm ist. Natürlich hätte eine größere Schrift auch den Umfang des Buches vervielfacht, jedoch wäre das höhere Gewicht eher „tragbar“. Zwar betrifft dies meist nur Nebeninformationen, die dadurch strukturell in den Hintergrund gerückt werden, für denjenigen, der auch am Lesen selbiger interessiert ist, kann dies jedoch stören. Zudem wird von diesem Mittel so viel Gebrauch gemacht, dass die Seiten in einigen Passagen sehr uneinheitlich erscheinen, weswegen es nicht mehr unbedingt als Erleichterung zu sehen ist. Schön ist, dass wichtige Begriffe durch Fettdruck hervorgehoben werden, was dem Leser eine schnelle Orientierung ermöglicht.
Positiv ist außerdem zu vermerken, dass an einigen Stellen auf mögliche Prüfungsreihenfolgen beziehungsweise Prüfungsschemata hingewiesen wird. Leider erfolgt dies jedoch häufig nur generell und zum Beispiel nicht für jede Grundfreiheit spezifisch. Zwar ist der Aufbau in der Praxis sehr ähnlich, für den normalen Studierenden sind solch einzelne Orientierungshilfen jedoch oftmals wichtig.
Positiv und im Europarecht unerlässlich ist, dass häufig auf einschlägige Urteile eingegangen wird. Über das Stichwortverzeichnis lassen sich diese, wie auch andere Inhalte des Buches gut und schnell finden.
In der inhaltlichen Aufbereitung der Materie ist das Lehrbuch sehr gut und umfassend und weist häufig auch auf die politischen, didaktischen oder rechtlichen Hintergründe einer bestimmten Auslegung, Regelung, etc. hin. Es eignet sich daher besonders für den Einstieg in wissenschaftliche Arbeiten. Und sollte entsprechend in den Bibliotheken in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen.
Für den „Normal-Studenten“ des Schwerpunktbereiches ist es hingegen einfach zu umfassend und nicht hinreichend klausurbezogen. Zwar würde sich vermutlich jeder Prof freuen, wenn die Studierenden zu so umfassenden Werken griffen, jedoch sieht die Praxis meist anders aus. Deswegen auch nur eine „eingeschränkte“ Kaufempfehlung, die sich keinesfalls auf den Inhalt des Buches bezieht.

[rating:4]